Auszeichnungen

Drei Zeichen, zwei aus Rom

Am 26. Juni 1998 stand ein 28-jähriger Berliner in Rom und nahm eine Urkunde für italienische Küche entgegen. Fast dreißig Jahre später hängt daneben eine zweite – und beide erklären, warum bei uns manches länger dauert als anderswo.

Es gibt Auszeichnungen, die man sich kauft, und es gibt solche, für die jemand vorbeikommt und nachsieht. Beide, die bei uns hängen, gehören zur zweiten Sorte.

Die Frage der neunziger Jahre

In den Neunzigern war „italienisch essen" in halb Europa zu einer Behauptung geworden. Rot-weiß karierte Tischdecken, Bolognese aus dem Eimer, Parmesan aus der Streudose. Italien sah sich mit einer Küche konfrontiert, die seinen Namen trug und wenig mit ihr zu tun hatte.

Die Antwort darauf war die Insegna del Ristorante Italiano – ein Zeichen für Häuser im Ausland, denen man ansieht, dass sie es ernst meinen. Vergeben von einer eigens eingesetzten Kommission unter der Schirmherrschaft des italienischen Landwirtschaftsministeriums und des Ministeriums für Außenhandel, getragen unter anderem vom Istituto del Commercio Estero, von Unioncamere und der Accademia Italiana della Cucina.

Platzhalter: Urkunde der Insegna del Ristorante Italiano, Rom 1998

Rom, 26. Juni 1998

Francucci wurde die Insegna zuerkannt und am 26. Juni 1998 in Rom überreicht. Franco Francucci war damals 28 Jahre alt – geboren in Berlin, aufgewachsen zwischen zwei Küchen. In der Küche stand Sabatino Sartoni aus Rimini.

Auf dem Antrag steht in Francos Handschrift, wofür das Haus damals stand: abruzzesische Spezialitäten, Hausmannskost mit innovativen Akzenten, eine Weinkarte mit italienischen und europäischen Gewächsen, italienischer Service. Und: „ambiente giovanile" – ein junges Lokal. Das Restaurant am Kurfürstendamm war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt.

Was daraus wurde

Die Abruzzen sind geblieben. Die Penne all'Abruzzese stehen bis heute unverändert auf der Karte, Papà Francos Original von der Weltmeisterschaft 1982. Die Pizza Franco dal 1962 trägt das Gründungsjahr im Namen. Beide würden unsere Gäste vermissen.

Was sich verändert hat, ist der Aufwand. Das Brot backen wir jeden Morgen selbst, als Naturbrot ohne Zusatzstoffe. Die Pasta entsteht in der eigenen Manufaktur aus importiertem Hartweizengrieß. Das Chianina-Rind für die Bistecca Fiorentina selektieren wir von Hand in den Apenninen und importieren es selbst – eine Rasse, die seit rund 2000 Jahren in freier Natur gehalten wird. Die Desserts macht die Familie.

Platzhalter: Urkunde Marchio Q – Ospitalità Italiana

Die zweite Urkunde

Neben der Insegna hängt heute das Marchio Q – Ospitalità Italiana, Ristoranti Italiani nel Mondo, vergeben von Unioncamere und der Italienischen Handelskammer für Deutschland unter Beteiligung mehrerer italienischer Ministerien.

Geprüft wird dabei nichts Abstraktes: die Küche, die Karte, die Weinkarte, das native Olivenöl, der Anteil an DOP- und IGP-Produkten, die Erfahrung der Leute am Herd. Jemand kommt ins Haus, sieht sich alles an und schreibt es auf. Das Siegel gilt zwei Jahre, dann kommt wieder jemand.

Und ein drittes Zeichen

Dazu kommt eine Zertifizierung, die nicht das Haus betrifft, sondern das Fleisch: Wir sind vom Consorzio 5R als Casa della Chianina geführt. Nach Stand August 2026 sind wir das einzige Restaurant in Deutschland im Verzeichnis des Konsortiums. Was das bedeutet, steht auf der Chianina-Seite.

Dieselbe Frage, dreißig Jahre auseinander

1998 und heute wird im Grunde dasselbe geprüft, und es ist die einzige Frage, die uns interessiert: Würde das in Italien durchgehen?

Mit Louis Francucci ist inzwischen die nächste Generation im Haus. Die Urkunden hängen nicht als Trophäen an der Wand. Sie sind eher eine Verpflichtung, und die fängt morgens um sechs an, wenn der Ofen für das Brot vorheizt.

Gut zu wissen

Die Bistecca Fiorentina vom Chianina IGP melden Sie am besten bei der Reservierung an – so bereiten wir das passende Stück für Ihre Runde vor.